Gut gemeinte Tipps fürKanufahrer, Ruderer und Paddler
Tipps für das Verhaltenauf dem Wasser

Ab Lahn – Kilometer 70 ist dann das Zusammenleben mit den Motorbootfahrern angesagt. Bei gegenseitiger Rücksichtnahme ist das kein Problem. Ärger gibt es meist dann, wenn man die erforderliche oder übliche Handlungsweise des Anderen nicht kennt. Es ist sehr hilfreich, wenn auch die Führer nicht führerscheinpflichtiger Boote die wichtigsten Regeln der Binnenschifffahrtsstraßenordnung kennen und natürlich auch beachten.

Sportmotorboote haben demnach allen nicht durch Motor angetriebenen Booten auszuweichen, und zwar grundsätzlich nach Steuerbord. Aber das geht natürlich nur, wenn dort genügend Fahrwassertiefe vorhanden ist. Der Grundgedanke dieser Regel ist, dass ein Motorboot im freien Wasser besser manövrieren kann als ein Ruderboot. In engen Schleusenkanälen drehen sich die Verhältnisse leicht um, besonders wenn ein 12 m–Motorboot mit einem kleinen Kanu zusammentrifft! Wohin soll ein Motorboot ausweichen, wenn ein Pulk Charterkanus die ganze Fahrwasserbreite einnimmt und zudem noch Zickzack fährt? Bitte immer daran denken, die Lahn ist eine Bundeswasserstraße auf der - wie auf jeder Straße - das Rechtsfahrgebot gilt.

Die Berufsschifffahrt hat immer Vorfahrt!

In der Talfahrt darf dann ab der Schleuse Limburg bei km 76,7 das gemeinsame Schleusen mit Motorbooten geübt werden. Einfach, wenn man einige Grundregeln beachtet.

Kanus und Paddelboote in der Schleuse
Blick Richtung Schleuse
Schleuse Diez

1. Sicherheit und optimale Schleusennutzung
Der Schleusenwärter bestimmt, wer zuerst einfährt. Aus Sicherheitsgründen sind dies die Motorboote. Wenn mal beim Aufstoppen ein Schaltzug reißt und ein 15to-Boot fährt gegen ein Schleusentor, gibt’s "nur" Sachschaden. Ist noch ein Paddelboot dazwischen, tut's weh!! Lassen Sie immer die Motorboote vor. So wird der Platz in der Schleuse am besten genutzt, und neben Motorbooten ist immer noch jede Menge Platz für Paddler und Ruderer.

2. Im Schleusenbereich nicht überholen
Im Schleusenbereich nicht überholen, schon gar kein großes Motorboot – wegen des toten Winkels.

3. Festgemachte Boote nicht behindern
Boote, die vor einer Schleuse festgemacht haben, parken nicht, sie warten auf Schleusung und fahren los, wenn’s grün wird. Wer da noch schnell vorbei will, provoziert Ärger oder gar Unfälle.

4. Vor der Sperrtafel warten und Ausfahrt freihalten
Vor der Sperrtafel warten (die weiße mit rotem Rand und schwarzem Querstrich) und zuerst die in der Schleuse befindlichen Boote ausfahren lassen.

5. Im Schleusenkanal manövrierfähig bleiben
In manchen Schleusenkanälen ist Strömung. Trotzdem das Boot nicht treiben lassen, wenn ein Motorboot hinter den Paddlern herfährt. Boote ohne Fahrt durchs Wasser, insbesondere bei Antrieb mit Wellenanlage, sind dann manövrierunfähig, können nicht ausweichen oder werden vom Wind aufs Ufer gedrückt. Müssen Motorboote wegen einem im Schleusenkanal treibenden Paddelboot aufstoppen und werden dadurch manövrierunfähig, kann der Bootsführer des treibenden Paddelboots für die hierdurch entstehen Schäden verantwortlich gemacht werden. Besonders im oberen Schleusenkanal Limburg ist da erhöhte Vorsicht geboten, da hier durch den Kraftwerkseinlauf an BB direkt vor der Schleuse eine Strömung von bis zu 4 km/h besteht. Ein Motorboot muss da einfach manövrierfähig bleiben, um Unfälle vermeiden zu können. Ein Paddler hat es da halt erheblich einfacher.

6. Abstand halten und Beschädigungen vermeiden
Motorbootfahrer haben es meist nicht sehr gerne, wenn man z. B. mit den Auslegern eines Ruderbootes den Rumpf verkratzt. Deshalb bitte das eigene Boot in der Schleuse gut festhalten und nicht einfach treiben lassen. Wenn es eng wird, einfach die Besatzung des Motorbootes ansprechen, damit die Fender entsprechend umgehängt werden oder eine Leine zum festhalten angeschlagen wird.

7. Nach dem Ausschleusen zügig weiterfahren
Fährt ein Paddel- oder Ruderboot vor einem Motorboot aus der Schleuse aus, bitte zügig weiterfahren oder das Motorboot überholen lassen. Rechts fahren! Ein Wettrennen gewinnt sowieso irgendwann das Motorboot, und je höher die Geschwindigkeit beim Überholvorgang, desto höher sind auch die Wellen!

Insgesamt gesehen, ist das Zusammenleben einfacher, wenn alle etwas Rücksicht nehmen, die Regeln beachten und auch mal ein Manöver mit den anderen Bootsfahrern absprechen und auch mal mithelfen, wenn es irgendwo klemmt.

Noch 2 Hinweise, die unter Umständen Ärger vermeiden und Geld sparen helfen:

1. Naturschutz beachten und nur ausgewiesene Stellen nutzen
Landschaftsschutzgebiete: Die hessische Lahn fließt auf weiten Strecken durch das Landschaftsschutzgebiet „Auenverbund Lahn – Dill“. Hier gibt es Einschränkungen, deren Nichtbeachtung sogar mit „Knöllchen“ belegt werden können. Es darf nicht mehr überall angelegt oder das Boot ins Wasser gebracht werden. Hierfür sind 34 Stellen ausgewiesen und gekennzeichnet worden. Zelten ist natürlich auch nur an den dafür vorgesehenen Stellen erlaubt. Dass man dort keinen Müll zurücklässt, sondern ordnungsgemäß entsorgt, ist jedem klar. Aber bitte den Müll nicht einfach auf einem Steg abstellen, schließlich haben wir Mülltrennung, und wer will schon fremden Müll sortieren, der tagelang in der Sonne gestanden hat!

2. Alkohol am Steuer – auch auf dem Wasser tabu
Alkohol: Auf Bundeswasserstraßen gibt es wie auf den Straßen auch einen Grenzwert für Alkohol. Nur ist der auf dem Wasser jetzt etwas strenger geworden: 0,4 Promille!! Das gilt selbstverständlich auch für Führer von Booten ohne Motor – und bei Kontrollen in den Schleusen kann man sich schwer verdrücken!